Nachdem ab Montag die vierwöchige Schließung der Restaurants und Cafés beschlossen wurde, reagiert die Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft mit einem umfangreichen Unterstützungspaket, um dem seit der Corona-Krise im Frühjahr nicht zu Ruhe kommenden Sektor erneut unter die Arme zu greifen. Diese Hilfen werden komplementär zu den weitläufigen Unterstützungsmaßnahmen des Föderalstaates sowie der Wallonischen Region vergeben und sollen den besonderen Herausforderungen des Tourismussektors in der Grenzregion Rechnung tragen. Außerdem werden im Rahmen des Programmdekretes, das im Dezember verabschiedet wird, Vereine mit permanenter Infrastruktur mit bis zu 10.000 Euro Zuschuss unterstützt.

Aufgrund des Infektionsgeschehens im ganzen Land hat der Konzertierungsausschuss unter Premierminister De Croo restriktivere Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie getroffen. Der Druck auf das Gesundheitssystem in allen Landesteilen und die Sorge, dass es in den nächsten Wochen zu einem Kollaps der medizinischen Grundversorgung kommen könnte, bewirkten eine Umkehr der in den letzten Monaten praktizierten Direktive, auf die Eigenverantwortung der Bürger zu setzen. Um härtere Maßnahmen und ein generelles Lock-down der Wirtschaft, des Schulsystems und des Soziallebens abzuwenden, wurden für die nächsten Wochen strikte Kontaktbeschränkungen beschlossen. Für den Tourismussektor, der gemeinsam mit dem Veranstaltungs- und Kulturbereich zu den hauptleidtragenden Wirtschaftszweigen dieser Krise gehören, bedeutet die nochmalige Schließung eine enorme Belastung.

„Jetzt ist das eingetreten, was wir auf jeden Fall vermeiden wollten. Nach den Lichtblicken für den ostbelgischen Tourismus während der Sommermonate und einer allmählichen Gewöhnung an den Corona-Alltag in den Restaurations- und Café-Betrieben müssen wir jetzt wieder öffentliche Begegnungsorte vorübergehend schließen.“, bedauert Ministerin Isabelle Weykmans, um anzumerken: „Für die Solidarität und Verantwortung, die manche in dieser Krise aus reinem Egoismus oder aus Nachlässigkeit nicht zum Schutz der Gesellschaft aufbringen konnten, muss jetzt unser Gesundheits- und Sozialsystem aufkommen. Die zweite Welle war vermeidbar.“

Von der Schließung der Restaurants und Cafés sind nicht nur Selbständige und Beschäftigte in diesem Bereich betroffen. Die Reisebeschränkungen auch in unseren Nachbarländern belasten die ostbelgischen Unterbringungsbetriebe und Reiseunternehmen, die von einer Stornierungswelle berichten. Erschwerend kommt hinzu, dass in Belgien die vierwöchige Schließung der Restaurants und Cafés nicht mit der Strategie der Öffnungszeitenbegrenzung der Nachbarländer Deutschland und Holland korreliert. Somit sind die ostbelgischen Betriebe doppelt betroffen, da Gästebewegungen ins Ausland allein durch die Nähe zur Grenzregion entstehen und somit auch ein Liefer- oder Abholservice nicht viel auffangen wird.

Deswegen werden die Hilfen ergänzend zu den Hilfen der Wallonischen Region für den Sektor vergeben. Je nachdem ob der Betrieb haupt- oder nebenberuflich tätig ist und vorausgesetzt, dass Mindestsozialabgaben geleistet wurden, wird in drei Kategorien unterteilt:

Kategorie A – 10.000 Euro Prämie

(hauptberuflich)

Traiteure/Caterer

Busunternehmen

Reisebüros

Restaurants mit Vollbedienung

Hotelrestaurants mit Vollbedienung

 

Kategorie B – 5.000 Euro Prämie

(hauptberuflich)

Schankwirtschaften

Registrierte Unterkunftsbetriebe (Hotels, B&B, Fewo, Camping und Gruppenunterkünfte VoG)

 

Kategorie C – 2.000 Euro Prämie

Schnellrestaurants

Imbisse

Alle nebenberuflich- oder privat betriebenen Geschäfte aus Kategorie A und B

Anträge können bis Ende November bei der Gemeinde eingereicht werden, in der obengenannte Betriebe ihre Niederlassungseinheit haben. Die Hilfen für die berechtigten Betriebe werden Mitte bis Ende Dezember ausgeschüttet. Ein vereinfachter Antrag ist für diejenigen Betriebe möglich, die bereits für die erste Prämie alle erforderlichen Bescheinigungen vorgelegt hatten. Die erst Unterstützungsprämie der Deutschsprachigen Gemeinschaft haben im März 429 Betriebe in Anspruch genommen.

Auch die Vereine sind von den Einschränkungen zur Eindämmung der Pandemie sehr stark betroffen. Die Kontaktbeschränkungen und die Zurückhaltung der Menschen am organisierten Vereinsgeschehen teilzunehmen, setzen den Vereinen stark zu. Die Einnahmen sind aufgrund abgesagter Veranstaltungen und Events eingebrochen, während zusätzliche Kosten zur Erfüllung der Hygienebestimmungen entstanden sind. Um Einkommensausfälle zwischen dem 10. März bis Ende des Jahres zumindest teilweise aufzufangen und die Vereine mit festen Infrastrukturen zu stützen, gewährt die Regierung einen einmaligen Zuschuss von bis zu 10.000 Euro für die betroffenen Vereine. Antragsberechtigt sind VoGs, die eine von Vereinen genutzte Infrastruktur verwalten und entweder Eigentümer oder Mieter der betroffenen Infrastruktur sind. Informationen bezüglich der Antragsmodalitäten, sowie Antragsformulare werden zeitnah auf ostbelgienlive.be veröffentlicht.

„Es muss jedem klar sein, dass wir hier einen finanziellen Kraftakt unternehmen, um unsere ostbelgischen Betriebe des Horeca-Sektors mittelfristig über Wasser zu halten und unsere Vereine am Leben zu erhalten. Wenn der Druck auf unsere Krankenhäuser aber zunimmt, wenn wir weiterhin relativieren als einfach mal vier Wochen innezuhalten, wenn wir gegenseitige Rücksichtnahme als Basis unseres Zusammenlebens aussetzen, dann kommen wir sehr bald an die Belastungsgrenzen unserer Gesellschaft. Ich appelliere und ich glaube fest an die Vernunftfähigkeit und Einsicht der Bürger Ostbelgiens. Wir leben unseren Zusammenhalt und unsere Solidarität in unseren Vereinen seit jeher vor. Auch in dieser besonderen Krisensituation müssen wir diese Tugenden mobilisieren. Nur wenn wir zusammenhalten, werden wir die Herausforderungen der nächsten Wochen und Monate bewältigen können.“, betont Ministerin Isabelle Weykmans.  

Infos zur Tourismus-Prämie: www.wfg.be und www.ostbelgienlive.be

Infos zur Unterstützung für Vereine mit permanenter Infrastruktur: www.ostbelgienlive.be