In ihrer Funktion als belgische Wortführerin hat Ministerin Isabelle Weykmans am Dienstag, den 22. Mai 2018, am EU-Jugendministerrat in Brüssel teilgenommen. Bei dem Treffen forderte sie im Namen der drei Gemeinschaften Belgiens eine stärkere Anhörung sowie Einbeziehung von Jugendlichen in die Entwicklungen der Jugendpolitik. Zudem stellte sie ihren europäischen Amtskollegen die französisch-belgische Erklärung zur Vorbeugung von gewaltsamem Radikalismus vor.

Die derzeitige Jugendstrategie der EU läuft dieses Jahr aus, die seit November 2009 den Rahmen für die jugendpolitische Zusammenarbeit bildet. Eine einmalige Gelegenheit bietet sich in den kommenden Monaten, Überlegungen zur Frage anzustellen, wie die EU für sowie mit jungen Menschen künftig agieren soll.

Zum weiteren Vorgehen auf europäischer Ebene wurde die Frage, welche nach Auffassung der Mitgliedsstaaten die wichtigsten Prioritäten für die zukünftige Zusammenarbeit der EU im Bereich der Jugendpolitik sind, an die Minister der europäischen Länder gerichtet. Ministerin Weykmans sieht den Schwerpunkt in der Entwicklung einer „Europäischen Agenda für Jugendarbeit“ liegen, da Europa die Entwicklung der Jugendarbeit und die Förderung zivilgesellschaftlicher Organisationen in jedem Fall auch weiterhin unterstützen müsse. „Die Stärkung der Jugendlichen und ihrer Autonomie sowie ihr kritisches Denken sind die Hauptanliegen der Jugendarbeit, die sich ständig weiterentwickelt. Sie erreichen zahlreiche junge Menschen in einem außerschulischen Kontext, üben ein verantwortungsvolles Amt aus und müssen daher auch auf europäischer Ebene die erforderliche Unterstützung erhalten, um den Jugendlichen in ihrem Umfeld begegnen zu können.“, erklärte Weykmans.

Eine weitere Priorität müsse nach Aussagen der Ministerin eine erhöhte Beteiligung von insbesondere jungen Bürgern sein, die mehr denn je notwendig sei, um die Demokratie und das europäische Projekt zu stärken: „Wir müssen noch mehr in eine stärkere und systematische Einbeziehung von Jugendlichen investieren, sie bei der Entwicklung der Jugendpolitik auf allen Ebenen mitnehmen, damit wir die Herausforderungen bewältigen können, vor denen junge Menschen stehen.“ Da diese Herausforderungen alle Bereiche betreffen würden, soll eine enge Zusammenarbeit mit anderen Kompetenzbereichen, wie Beschäftigung, Bildung, oder Umwelt, stattfinden.

In ihrer Rede unterstrich die Ministerin, dass der strukturierte Dialog der Kernpunkt sei. „Die daraus hervorgehenden Beiträge tragen zu einer besseren Vorstellung der von jungen Menschen gewünschten Werte und gesellschaftlichen Veränderungen bei und helfen den Mitgliedsstaaten nicht nur bei der Entwicklung der Jugendpolitik, sondern auch bei der Entwicklung aller Bereiche, in denen sich Jugendliche engagieren. Ein solcher Ansatz, der auf der tatsächlichen und effektiven Beteiligung und dem Ausdruck aller junger Menschen beruht und auf allen Ebenen entwickelt wird, könnte den tatsächlichen Druck auf junge Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt immer kompetenter, wettbewerbsfähiger, innovativer und effizienter werden sollen, verringern.“, betonte die Ministerin.

Besonders positiv zu vermerken ist, dass Deutschland größtenteils derselben Auffassung ist.

Belgien befürwortet eine gemeinsame europäische Jugendstrategie, die durch Jugendprogramme wie Erasmus+ Jugend in Aktion und das Europäische Solidaritätskorps umgesetzt wird. In den kommenden Tagen wird die Europäische Kommission ihren Vorschlag zum Nachfolgeprogramm Erasmus+ vorstellen. Hierzu hat EU-Kommissar Tibor Navracsics bereits ein Positionspapier zum Nachfolgeprogramm von Erasmus+ Jugend in Aktion und dem Europäischen Solidaritätskorps (nach 2020), das von den drei belgischen Jugendministern unterzeichnet wurde, erhalten.

Kurz vor dem Jugendministerrat hat die Europäische Kommission ihren Vorschlag zur neuen EU-Jugendstrategie veröffentlicht, die, nach voraussichtlicher Annahme im November 2018, im Januar 2019 in Kraft treten soll.

Erste Ergebnisse ihrer Halbzeitbewertung der EU-Jugendstrategie wurden ebenfalls bereits veröffentlicht. Über 50 000 junge Europäer waren an dem Konsultierungsprozess beteiligt; aus der Deutschsprachigen Gemeinschaft haben 62 Jugendliche an der Umfrage teilgenommen.

Im Anschluss fand vom 17. bis 19. April 2018 in Sofia die zweite EU-Jugendkonferenz im Rahmen des Strukturierten Dialogs zum Thema „du ››Europa›› wir“ statt. Jugendvertreterinnen und Jugendvertreter sowie Repräsentanten der Jugendministerien aus allen EU-Ländern diskutierten zusammen über europäische Jugendpolitik und legten elf Ziele als Empfehlungen für die nächste EU-Jugendstrategie fest. Darunter auch Camille Faymonville (Jugendvertreterin) und Lena Pankert (Ministerium) aus der Deutschsprachigen Gemeinschaft.

Die 11 Jugendziele müssen eng mit der Europäischen Jugendstrategie verknüpft sein.

Auf der Tagesordnung des EU-Jugendministerrats stand ebenfalls die Vorstellung der Broschüre zur „französisch-belgischen Erklärung der Jugendminister über die Prävention der in Gewaltbereitschaft mündende Radikalisierung“ durch Ministerin Isabelle Weykmans, die diese dem EU-Kommissar anschließend überreichte.

In Folge der Anschläge in Frankreich und Belgien gaben die vier Jugendminister/innen der beiden Länder am 30.Mai 2016 eine Erklärung zum Thema Prävention von Radikalisierung und gewalttätigem Extremismus ab. Die vorliegende Broschüre stellt das Ergebnis einer Seminarreihe für Jugendarbeiter/innen zu diesem Thema dar, die als Folge ins Leben gerufen wurde und mit Unterstützung des Programms Erasmus+ von Februar bis September 2017 stattfand. 275 Teilnehmende wurden so durch diese Seminare direkt erreicht.

Die Ergebnisse der Seminarreihe unterstreichen die Wichtigkeit und Möglichkeiten der Rolle der Jugendarbeit in diesem Bereich und schufen eine wichtige Austauschplattform für Jugendarbeiter/innen. Für die Zukunft ist angedacht, das Projekt fortzuführen und mit weiteren Partnerinnen auszuweiten.

Weitere Informationen sind unter dem folgenden Link zu finden: https://ec.europa.eu/youth/news/eu-youth-strategy-adopted_de