Seit 60 Jahren besteht nun die Europäische Union, was am Wochenende in Rom gefeiert worden ist. Nicht nur den Frieden nach Jahren des Krieges hat die EU gebracht, sondern auch einen freien Personen-, Waren-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehr, der das Leben aller EU-Bürger tagtäglich erleichtert. Doch aktuelle Geschehnisse wie der Brexit schwächeln den europäischen Gedanken und zwingen die EU dazu, sich Gedanken über ihre Zukunft zu machen. Und nicht nur die EU, sondern auch die Großregion Saar-Lor-Lux setzt sich mit der Zukunft auseinander. Seit dem Schengener Abkommen ist das Leben in der Großregion einfacher und unkomplizierter. Mit der Frage wohin die Großregion steuert, beschäftigte sich das Bürgerforum Saar-Lor-Lux und die deutsch-luxemburgische Wirtschaftsinitiative und luden zum Bürgerdialog ein.

Die Selbstverständlichkeit im Umgang mit der Grenznähe leben heute rund 219 000 Grenzgänger, ohne, dass das Gebilde „mit Leben erfüllt wäre“, kritisiert der ehemalige Luxemburger Staatsminister und EU-Kommissionspräsident Jacques Santer. Als einstiger Planer eines Zukunftsbilds für das Jahr 2020 in der Großregion fehlt ihm nach 20 Jahren der Zusammenarbeit „ein Alleinstellungsmerkmal, das diese Region unverwechselbar macht“.

Die Diskussionsplattform verdeutlichte schnell, dass vieles erreicht, aber auch noch vieles im Argen liegt: ein Prozess ohne klare Fortschritte, ein lebloses Gebilde ohne ausreichende Bürgerbeteiligung, unzureichender finanzieller Spielraum, eine fehlende Identität bei den Bürgern – die Reihe der festgestellten Defizite ist lang.

Zur Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Mosel, Maas und Saar herrschte Einigung über den Vorschlag den  Zuschauer zum Beteiligten zu machen. Somit würde man für eine maximale Teilhabe der Bürger in der Grenzregion sorgen können. Denn die Großregion muss eine Großregion der Menschen werden und dies schafft man nur, indem sie für den Bürger erfahrbar wird und einen Mehrwert für das tägliche Leben schafft. Es gibt unzählige Themen, wo die Politik das Leben der Menschen gestalten könne: Mobilität und Transport, Bildung und Weiterbildung, Sicherheit, Rettungswesen und nukleare Sicherheit sowie Kultur und Tourismus. Doch diese müssen angepackt werden.

Die enormen Schwierigkeiten bei einem gemeinsamen Vorhaben verdeutlichte Ministerin Isabelle Weykmans. Die Lösung der Probleme könne nicht alleine in einem gemeinsamen Gesicht liegen, ist sie überzeugt. Genau das habe Europa versucht, doch das habe die Probleme nicht lösen können. Möglicherweise würde der Aufbau einer weiteren Institution dem Menschen nur Angst machen. Die Idee einer gemeinsamen Struktur begrüßt sie dennoch. Die Großregion ist in ihren Augen eine „Notwendigkeit für alle“. Für Ostbelgien, einer Region, die von grenzüberschreitender Zusammenarbeit und Kooperationen lebt, ist die Großregion ein wichtiger Partner. Die prioritären inhaltlichen Themen müssen gesetzt werden, damit konkret gestaltet werden kann. Themen wie die Anerkennung von Diplomen, grenzüberschreitende Ausbildung und Weiterbildung, gemeinsame Arbeitsmarktanalyse und Verbesserung der Mobilität.

Ein anderer Schlüssel zum Gelingen seien weitere gemeinsame Projekte: „Der Erfolg des Projektes Großregion hängt vom persönlichen Erleben jedes Einzelnen ab – etwa von grenzüberschreitenden Freundschaftsprojekten vom Kindergarten bis hin zu beruflichen Projekten“, sagt Wolfgang Lorig, Politikwissenschaftler an der Universität Trier.

Viele Zusammenarbeiten existieren bereits, müssen jedoch vertieft und ausgebaut werden. Denn das Leben hört an der Grenze nicht auf, sondern geht darüber hinaus. Nun ist es an der Zeit die Zukunft zu gestalten, anstatt über sie zu diskutieren.