Wer schafft es, die einzelnen Kontrollpunkte einer Bahn mit Karte und Kompass in einer vorgegebenen Reihenfolge möglichst schnell abzulaufen? Keine Frage: Auf Sizilien sind im April nicht nur Kraft und Ausdauer gefragt, sondern auch Köpfchen!

Vom 22. bis zum 28. April 2017 finden im sizilianischen Palermo die Schul-Weltmeisterschaften im Orientierungslauf des ISF (Internationale Schulsportföderation) statt. In diesem Zeitraum werden Schüler aus zahlreichen Ländern der Welt, darunter zum Beispiel China, Ungarn, Neuseeland und Russland, aufeinandertreffen, um sich auf Augenhöhe in dieser Sportart zu messen. Auch eine ostbelgische Delegation wird an dem internationalen Wettbewerb teilnehmen.

Die Schul-WM findet alle zwei Jahre statt und bei der es nicht nur um den sportlichen Wettkampf geht, sondern auch um den Austausch von Kulturen. Durch die aktive Mitgliedschaft bei der ISF, zu der die Deutschsprachige Gemeinschaft zwei Vertreter entsendet hat, schaffen wir die Möglichkeit für Schülerinnen und Schüler einmal WM Luft zu schnuppern und eine Erfahrung fürs Leben zu machen. Der Weg bis dahin ist anstrengend, aber die Motivation und die Vorfreude spornt die Schüler an, das harte Training zu absolvieren.

Insgesamt 15 Schülerinnen zwischen 14 und 16 Jahren haben die Vorbereitungen zur Schul-Weltmeisterschaft durchlaufen, die viel Training und Disziplin verlangen. Intensiv wurden sie während mehrerer Wochen von ausgewählten Trainern auf den Wettkampf vorbereitet. Beim Orientierungslauf kommt es vor allem auf die richtige Balance zwischen dem Laufen und der Fähigkeit Karten lesen zu können an. Im ersten Moment klingt dies relativ simpel, doch darf man nicht vergessen, dass man auf einer Strecke mit unterschiedlichstem Terrain läuft, die man vorher noch nie gesehen hat. Um die beste und schnellste Route zu finden, sind verschiedene Fertigkeiten gefragt, was die Sportart zu einem idealen Schulsport macht: Probleme schnellstmöglich lösen, selbstständig und unter Druck arbeiten, die Entwicklung von räumlicher Wahrnehmung, auf seine eigenen Fähigkeiten vertrauen und selbstbewusst die eigens ausgesuchte Route absolvieren, sein eigenes Limit kennen und die Umwelt respektieren. Zudem geht die Sportart mit dem steigenden Trend zu naturnahem Sport einher: Aus der Breitensportentwicklungsstudie, die der Öffentlichkeit vor einigen Wochen vorgestellt wurde, geht hervor, dass naturnahe und niederschwellige Sportstätten die Zukunft sind. Wir müssen verschiedenen Bedürfnissen gerecht werden, um den Bedarf nach ausreichenden Sportmöglichkeiten zu decken. Multifunktionalität ist hier der Schlüssel. Somit werden künftige Sportinfrastrukturanlagen nicht nur den Anforderungen im Leistungssport gerecht werden, sondern auch für den Schul- und Freizeitsport geeignet sein.

Zwei Schülerinnen mussten leider das Training krankheitsbedingt vorzeitig beenden, sodass letzten Endes 13 Ostbelgierinnen nach Italien reisen. Begleitet werden sie von Ingrid Klückers, Sportlehrerin des Maria Goretti Instituts, den Orientierungslauf-Trainern Freddy Henkes und Maria Henkes-Johanns sowie Colette Renardy aus dem ostbelgischen Ministerium als Delegationsleiterin. Das Engagement des Maria Goretti Instituts und die gute Zusammenarbeit mit den Trainern bereitet die Schüler optimal auf den Wettkampf vor.

Das Programm vor Ort ist zwar straff, dafür aber spannend und abwechslungsreich. Neben der verpflichtenden Teilnahme an den Wettkämpfen, der Freundschaftsstaffel sowie der Eröffnungs- und Abschlusszeremonie steht auch das kulturelle Miteinander im Mittelpunkt der Meisterschaft. So werden zwischen den Wettkämpfen Besichtigungen und Ausflüge sowie eine Tourismusbörse organisiert, sodass nicht nur der Sportsgeist bei der WM Beachtung findet.

Insbesondere die Tourismusbörse ist eine ausgezeichnete Plattform, um das eigene Herkunftsland zu präsentieren. Eine solche wurde erstmalig in Ostbelgien im Rahmen der eigenen Organisation der Badmintonmeisterschaft veranstaltet. Seitdem ist sie fester Bestandteil der ISF-Veranstaltungen.

In Italien werden die ostbelgischen Schülerinnen anhand von Werbebroschüren und regionalen Spezialitäten wie Käse, Schokolade und Schinken ihre Gemeinschaft vorstellen. Für das Bühnenprogramm haben die Jugendlichen bislang die Vorführung eines kleinen Tanzes geplant.

Die Schülerinnen sind Botschafter unserer Region, die Ostbelgien anhand von regionalen Produkten und kulturellen Vorführungen präsentieren und bekannt machen. Die Weltmeisterschaft verfolgt zudem die Absicht gegenseitiges Verständnis, ehrenamtliche Arbeit, Toleranz, soziale Integration und Gleichberechtigung zu fördern. Daher unterstütze ich die Teilnahme an dieser Schul-Weltmeisterschaft und freue mich schon jetzt, die Teilnehmer und Begleiter nach ihrer Rückkehr empfangen zu können, damit sie von ihren Erfahrungen berichten.