Mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie zeichnete sich nicht nur eine sanitäre Krise, sondern auch eine Wirtschaftskrise ab. Wie schwerwiegend die Auswirkungen der drastischen Beschränkungen zur Verhinderung eines gesundheitlichen Notstandes für die Wirtschaft wirklich sind, lassen erste Wirtschaftsparameter erahnen. Um für Ostbelgien verlässliche Aussagen treffen und zielgerichtete Maßnahmen ergreifen zu können, ließ Beschäftigungsministerin Weykmans ein Monitoring der ostbelgischen Wirtschaft erarbeiten.

Die Straßen füllen sich, der Verkehr nimmt zu und kleinere Feiern im Familienkreis sind auch schon wieder möglich. Die Rückkehr zur Normalität hält langsam, aber sicher Einzug. Doch das Herunterfahren des gesellschaftlichen Lebens und die Beschränkung der wirtschaftlichen Aktivitäten hinterlassen in allen Bereichen ihre Spuren. „Einzelne Wirtschaftsindikatoren und Prognosen der Nationalbank ließen bereits im April auf das Ausmaß der Pandemie im Beschäftigungssektor schließen. Doch erst durch eine systematische Erfassung und zeitnahe Messung von aktuellen Wirtschaftsdaten in Ostbelgien können wir eine detaillierte Analyse vornehmen. Deren Schlussfolgerungen fließen in die politische Entscheidungsfindung ein und ermöglichen uns, zielgerichtete Maßnahmen zur Abfederung der Krise treffen zu können – nicht zuletzt in der Beschäftigungs- und Tourismuspolitik.“, resümiert Isabelle Weykmans das Vorgehen.

Ostbelgien Statistik wurde durch die für Beschäftigung und Tourismus zuständige Ministerin beauftragt, das ostbelgische Monitoring zu erstellen. Dazu wurde eine Arbeitsgruppe bestehend aus dem Fachbereich Beschäftigung und Standortentwicklung, der AVED/IHK, dem Arbeitsamt, der WFG und dem WSR gegründet.

Anhand von allgemeinen Wirtschaftsindikatoren, Indikatoren zum Arbeitsmarkt und zu den Unternehmen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft wurden die gefährdeten und weniger betroffenen Sektoren ermittelt. Dabei stellte sich bei der Blitzumfrage des Arbeitgeberverbands (AVED) im April heraus, dass der Lockdown für die Hälfte der hiesigen Unternehmen vorerst nicht existenzbedrohend ist bzw. war und Arbeitsplätze gehalten werden konnten. Hingegen teilten 30% der befragten Betriebe mit, dass sie einen Teil ihrer Arbeitsplätze gefährdet sehen und bei 13,5% der Betriebe sogar 50% ihrer Belegschaft als gefährdet gilt.

Bisher widerspiegeln sich die Aussagen noch kaum in den Arbeitslosenzahlen: Bis Ende Mai hatten 2.407 Personen keinen Job, das sind 85 Personen mehr als im Februar dieses Jahres. „Normalerweise ist die Arbeitslosigkeit im Frühjahr rückläufig, sodass der Anstieg zum Vorjahr bereits bei 14,5 Prozent liegt. Was mich jedoch positiv stimmt, ist die Tatsache, dass proportional eher junge und etwas höher qualifizierte Personen betroffen sind, die im Falle einer wieder anziehenden Wirtschaft bessere Wiedereingliederungschancen haben dürften.“, so Ministerin Weykmans.

Neueinstellungen bleiben zurzeit die Ausnahme, obwohl die Zahl der Stellenangebote nach einem drastischen Rückgang im Monat Mai erneut beginnt wieder leicht anzusteigen. Dies lässt sich wohl auch anhand der Zahlen zur Kurzarbeit erklären, die von 38% der hiesigen Arbeitgeber beansprucht wurde. Laut den provisorischen Zahlen des ONEM haben 4.281 für den Monate März und 4.606 Beschäftigte im April bei insgesamt 852 Arbeitgebern in der Deutschsprachigen Gemeinschaft Kurzarbeitergeld erhalten.

Im Wesentlichen greifen vier Sektoren auf diese Möglichkeit zurück: das verarbeitende Gewerbe, der Handel und KfZ sowie der Horeca-Sektor und das Baufach, wobei der Einsatz von Kurzarbeit hier schon gesunken ist. Auch im Bereich Kunst, Unterhaltung und Erholung wird auf Kurzarbeit zurückgegriffen, wenn auch geringfügiger.

„Stellt man die Arbeitslosenzahlen den Beschäftigten in Kurzarbeit gegenüber, wird klar ersichtlich, dass die Corona-Maßnahmen Arbeitsstellen und damit die Einkünfte von vielen Familien abgesichert haben. In den nächsten Monaten wird sich zeigen, ob die Betriebe durch die Lockerungen rentabel wirtschaften und Arbeitnehmer ihre gewohnte Arbeit wieder aufnehmen können. In diesem Zusammenhang war es für uns als Regierung unerlässlich, dass die bisherigen föderalen Hilfspakete verlängert werden, um den Unternehmen noch etwas Luft zu verschaffen. Auch weiterhin werden wir uns für die hiesige Betriebswelt stark machen und nichts unversucht lassen, damit unsere ostbelgischen Unternehmen die Hilfen bekommen, die sie benötigen.“, so Ministerin Isabelle Weykmans.

Von den 6.390 Selbstständigen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft haben 27 Prozent, also insgesamt 1.725 Personen Gebrauch vom sogenannten Corona-Überbrückungsrecht für den Monat März oder/und April gemacht,  also vom Ersatzeinkommen für Selbstständige, die kein oder kaum Einkommen erzielten. Die Hälfte von ihnen mussten aufgrund des ministeriellen Erlasses schließen.

Die Umfrage bei den Unterkunftsbetrieben hat im Mai ergeben, dass 24,8 % aufgrund des Lockdowns akut in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht sind. „Die vorliegenden Daten messen insbesondere die Auswirkung der Lockdown-Zeit. Es wird nun wichtig sein, in der Kontinuität zu analysieren, ob ein Aufschwung sich ab der eingeläuteten Lockerungszeit einstellt.  Werden die wirtschaftlichen Aktivitäten langsam aufnehmen oder hoffentlich recht schnell ein Vor-Krisenzeit-Niveau erreichen?“

Das ostbelgische Monitoring wird monatlich aktualisiert und kann um weitere Indikatoren ergänzt werden, um die Analyse auszuweiten. Unter https://www.ostbelgienstatistik.be/ sind die gesammelten Daten öffentlich abrufbar.