Insgesamt ist festzuhalten, dass die Rückmeldungen auf den ersten Jugendbericht positiv sind. Dies ist sicherlich auch der Tatsache geschuldet, dass die Akteure aus dem Jugendbereich, d. h. die Experten, in der sogenannten „Steuergruppe“ vertreten waren und im Laufe des gesamten Prozesses bei der Erarbeitung des Jugendberichts mitwirken konnten.

Repräsentativ für den Jugendbereich waren folgende Einrichtungen in der Steuergruppe vertreten:

  • Jugendbüro
  • Infotreff
  • JIZ
  • und der Rat der Deutschsprachigen Jugend (1 Vertreter für die Offene Jugendarbeit, 1 Vertreter für die Jugendorganisationen)

Konkret hat es vonseiten des Rates der deutschsprachigen Jugend noch keine Stellungnahme gegeben. Aber wie bereits erwähnt, ist der RDJ in der Steuergruppe vertreten und hat den Prozess aktiv begleitet.

Der Bericht ist dem gesamten Jugendsektor Ende November letzten Jahres vorgestellt worden. Subjektiv geantwortet, würde ich sagen, dass der Mehrwert erkannt wurde.

Bis auf diese öffentliche Vorstellung sind augenblicklich keine weiteren Veranstaltungen in Planung, es sei denn, dies sei vom Sektor erwünscht.

Die Vertreter des Unterrichtswesens und der dualen Ausbildung wurden ebenfalls zur Vorstellung eingeladen. Im Anschluss wurden auf Anfrage des IAWM und des Fachbereichs Pädagogik im Ministerium weitere Termine zur Vertiefung der Resultate zu diesen Punkten mit den Forscherinnen geplant. Diese Termine finden am 23. Januar 2019 statt.

Inwieweit und ab welchem Zeitpunkt der Jugendbericht in die konkrete Arbeit der aktuellen Jugendarbeit fließen wird, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt schwer einschätzen. Natürlich ist dies ein Ziel des Berichts. Jedoch wäre es verfrüht, bereits heute eine Prognose zu stellen.

Persönlich wünsche ich mir, dass der Bericht, der in der Tat eine erste umfassende Bestandsaufnahme ist und ein Stimmungsbild von jungen, in Ostbelgien lebenden Menschen abgibt, als der wissenschaftliche Beitrag genutzt wird und dies insbesondere vor dem Hintergrund einer evidenzbasierten Jugendpolitik, so wie es 2015 in diesem Hause beschlossen wurde.

Ergänzend möchte ich hervorheben, dass die Resultate des vorliegenden Jugendberichtes, eine der Grundlagen für die Definition der Schwerpunktthemen des nächsten Jugendstrategieplans darstellt .

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, wie Herr Cremer vorhin erwähnte, bezogen sich seine Fragen einerseits auf die Rezeption des ersten Jugendberichts und andererseits auf die Rahmenbedingungen dieser Studie. Daher spulen wir nun noch einmal bis an den Anfang zurück:

Der Auftrag zur Erstellung des Jugendberichts erfolgte im Rahmen einer öffentlichen Auftragsvergabe.

Es wurden insgesamt drei Institute angeschrieben:

  • HIVA Leuven
  • CeSo Leuven
  • Institut für Bildungsphilosophie, Anthropologie und Pädagogik der Lebensspanne Köln

Die beiden Institute der Uni Leuven haben ein gemeinsames Angebot abgegeben. Wie Sie wissen, wurde das CeSO – Centre for Sociological Research und das HIVA –Institut für Arbeit und Gesellschaft von der Katholischen Universität Leuven mit der Erstellung des ersten Jugendberichts beauftragt. Die Begleitung wurde durch „Wissenschaft für Ostbelgien (WifO)“ gewährleistet.

Die Kosten für die Erstellung der Studie belaufen sich auf 76.159 EUR. Die Bezahlung erfolgt als Pauschalhonorar, das alle Leistungen und Kosten des Auftragnehmers im Zusammenhang mit dem Auftrag einschließlich, alle Reise- und Aufenthaltsspesen sowie die Mehrwertsteuer abdeckt.

Der Zahlungsplan wurde wie folgt vereinbart:

  • 25 Prozent der vereinbarten Summe nach der Vorstellung der Methodik
  • 50 Prozent nach Einreichen des Zwischenberichts
  • 25 Prozent nach Erhalt des Berichts

Die größte Schwierigkeit und Herausforderung, die sich den beiden Instituten stellte, war der knapp bemessene Zeitrahmen, der sich durch die Kopplung des Jugendberichtes an die laufende Legislaturperiode ergeben hat. Eine weitere Herausforderung war die Feststellung, dass die statistische Grundlage in Ostbelgien erhebliche Mängel aufweist (Datenlücken, schwer vergleichbare Datensätze,…). Aufgrund des bereits erwähnten knappen Zeitrahmens war keine Primärdatenerhebung mehr möglich, sodass eine andere Vorgehensweise bevorzugt wurde. Die Forscherinnen haben in einem ersten Schritt die vorhandenen Sekundärdaten gesammelt und ausgewertet und anschließend durch Fokusgruppendiskussionen ihre Hypothesen befestigt und eventuelle Datenlücken ergänzt.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass es eine weitere Herausforderung war, dass das Projekt „Jugendbericht“ ein unbeschriebenes Blatt war und erst einmal vorgestellt werden musste. Einrichtungen mit relevanten Daten mussten informiert und überzeugt werden, ihre Daten mitzuteilen und Freiwillige mussten für die Fokusgruppen gefunden werden. Glücklicherweise wurde das Ministerium und das Forscherteam tatkräftig durch Catherine Müller, ehemalige Koordinatorin von Wissenschaft für Ostbelgien, bei diesen Aufgaben unterstützt.

Wir können es als positiv bewerten, dass in diesem ersten Jugendbericht viele Herausforderungen identifiziert wurden und für die nächsten Jugendberichte mehr Zeit zur Verfügung steht und voraussichtlich unter besseren Bedingungen gearbeitet werden kann. Dennoch sind wir dankbar, dass die Forscherinnen trotz der schwierigen Voraussetzungen den Auftrag angenommen haben und sind zufrieden mit der geleisteten Arbeit.

Bezogen auf Ihre Frage zur weiteren Zusammenarbeit mit den beiden Instituten, werter Kollege, kann ich Ihnen antworten, dass aufgrund der gesetzlich geregelten öffentlichen Auftragsvergabe das Kumulieren der Aufträge nachträglich nicht möglich ist (,da die Gesamtkosten des Auftrags sich erhöhen würden, wäre eine andere Ausschreibungsform erforderlich). Und eine Vereinbarungen über eventuelle Nachfolgeuntersuchungen gibt es ebenfalls nicht.

Kommen wir noch einmal auf die statistische Grundlage zu sprechen:

Der erste Jugendbericht sollte, zusätzlich zu einer allgemeinen Beschreibung der Lebensrealität junger Menschen in Ostbelgien, eine Einschätzung zur aktuellen Datenlage liefern. Aufgrund des knappen Zeitrahmens war nur eine Sichtung der vorhandenen Datenlage möglich.

Teilweise sind Datensätze vorhanden, konnten aber aus wissenschaftlichen Gründen nicht berücksichtigt werden.

Um genau hier nachzubessern, erfolgt 2019 bereits eine methodische Vorbereitung des nächsten Jugendberichtes.

Wie wichtig verlässliche Daten sind, ist uns allen durchaus bewusst und ein Dateninventar ganz bestimmt kein unnötiger Luxus.

Der Jugendbericht liegt gerade erst vor. Daher ist es etwas verfrüht, sich auf einen genauen Zeitpunkt festzulegen.

Vom Zeitplan her ist dies allerdings im zweiten Halbjahr diesen Jahres vorgesehen, dann wenn die Regierung die Schwerpunkte des kommenden Jugendstrategieplans festlegen wird.

Ich möchte, bezogen auf ihre Frage bezüglich der Schlussfolgerungen der Forscherinnen zu den thematischen Jugendreporten darauf hinweisen, dass die Erstellung eines Jugendberichtes dekretal vorgesehen ist, d.h. es soll einen festen Katalog an Kernindikatoren geben, die ständig erhoben werden, um auch eine Kontinuität und entsprechende zeitliche Entwicklung beobachten zu können. Ergänzend sollte und kann es zusätzlich Schwerpunktthemen geben, die behandelt werden.

An dieser Stelle, könnte der luxemburgische Jugendbericht als Vorlage dienen. Die Kollegen in Luxemburg machten gleiche Erfahrungen bei der Erstellung ihres ersten Berichtes: Ersterhebung und Grundlage, um Erfahrungswerte zu sammeln, später wird der Fokus auf bestimmte Kernthemen gelegt.

Ihre Frage, wie den Differenzen zwischen den Erfahrungen junger Erwachsener in den nördlichen und in den südlichen Gemeinden bei der Ausarbeitung des kommenden Jugendstrategieplans Rechnung getragen werden kann, ist durchaus angemessen. Bei diesen Unterschieden handelt es sich um soziologische Realitäten.

Es ist wichtig dieser Realität bei der Ausrichtung der politischen Arbeit Rechnung zu tragen. Darüber hinaus sollten die bestehenden Unterschiede vor allem zur lokalen Identität nicht in irgendeiner Weise „gewertet“ werden.

Wir werden es auf keinen Fall versäumen, alle Resultate des Berichtes bei der Festlegung der Schwerpunktthemen und in der Ausarbeitung des Jugendstrategieplans zu berücksichtigen.