Nachbarschaftshilfe 4.0

Wer auf dem Land eine schnelle Datenleitung haben will, muss zunächst einmal viel Geduld und Geld aufbringen – so aber nicht in Loikum. Mit Engagement und Erfindergeist führten die Loikumer als Erste ihr Dorf ins digitale Zeitalter, indem sie die Leitungen für den Breitbandausbau selbst legten. Dabei wurde sogar der abgelegenste Hof nicht vergessen. Ein Solidaritäts-Projekt par excellence, das Ministerin Weykmans nun nach Ostbelgien bringen will.

Initialzündung für das Loikumer-Modell war die Erkenntnis, dass Netzbetreiber höchstens die Ortskerne versorgen wollten und die Tiefbauarbeiten für Glasfaser im Außenbereich die Kosten explodieren ließen. Hier setzte der Loikumer Kämpfergeist an. Selbsthilfe und Begeisterung ließen eine kostengünstige Alternative entstehen, die das Glasfasernetz bis in die Außenbereiche der Ortschaft bringt und mittlerweile zum Erfolgsrezept geworden ist.

Ein findiger Dorfbewohner konstruierte einen lenkbaren Kabelpflug, der eine schnelle und unkomplizierte Verlegung des Glasfaserkabels ermöglicht. Mithilfe dieses und anderer landwirtschaftlicher Geräte sowie jeder Menge freiwilliger Arbeitsstunden der Dorfbewohner konnte das Glasfasernetz seit 2013 selbst ausgebaut werden – kostengünstig und in eigen Regie. Innerhalb eines knappen Jahres wurde Loikum mit Glasfaser ausgestattet. Wie man durch Selbsthilfe Abhilfe schafft, zeigt das „Loikumer Glasfaser Modell“, das mittlerweile schon 40 Projekte betreut hat oder es noch tut. Ein Vorzeigeprojekt, von dem sich Vize-Ministerpräsidentin Isabelle Weykmans am Dienstag ein genaues Bild machte.

„Überzeugt hat mich vor allem die Bürgerbeteiligung. In Loikum sieht man, was man mit unermüdlicher Nachbarschaftshilfe und einem starken Zusammenhalt alles erreichen kann! “, erläuterte Isabelle Weykmans.

Dass ihr Modell des Glasfaserausbaus im Außenbereich auch in anderen Ortschaften erfolgreich umgesetzt werden kann, haben die Loikumer schon mehrfach bewiesen. Dabei betonen sie immer wieder, dass es wichtig ist, auf die Solidargemeinschaft zu setzen, alle gleich zu behandeln und das nicht zuletzt auch bei den Kosten. Jeder zahlt das gleiche, jeder packt mit an, in welcher Form auch immer. Das schweißt die Nachbarschaften zusammen, und lässt ein neues Gemeinschaftsgefühl im Dorf entstehen.

Vor allem vor dem Hintergrund des ländlich geprägten Raumes im Süden der Gemeinschaft, aber auch auf Grund der sehr aktiven Dorf-und Vereinswelt, ist Ministerin Weykmans davon überzeugt, dass dieses Projekt auch in Ostbelgien erfolgreich umgesetzt werden kann. „Das Loikumer-Modell sehe ich als echte Chance für Ostbelgien, damit auch in unseren Gemeinden der flächendeckende Netzausbau zeitnah Realität werden kann und die weißen Zonen der Geschichte angehören. Auch wenn wir in den letzten Jahren – und erst kürzlich durch die Installation von 18 zusätzlichen Verteilerkästen – in Zusammenarbeit mi Proximus Fortschritte verzeichnen konnten, bleibt der große Wurf noch aus. Doch für die Zukunftssicherung, für die „Dableibefürsorge“ unserer Dörfer ist der flächendeckende Netzausbau von essentieller Wichtigkeit.“, resümierte Isabelle Weykmans.

Nun will die Ministerin prüfen lassen, ob und wie das Loikumer-Modell in Ostbelgien Anwendung finden kann.