Bereits am 11. Januar 2018 hat die Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft entschieden, das historische Schützenwesen in Ostbelgien in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der Deutschsprachigen Gemeinschaft aufzunehmen. Am Samstag fand die symbolhafte Überreichung der Auszeichnung an den Ostbelgischen Stangenschützen-Verband während der Schießmeisterschaft auf Schönefeld statt. Eine Anerkennung und Würdigung ihrer Arbeit zum Erhalt dieser Tradition.

Wen schützen eigentlich die Schützen heute? Wer einen Augenblick über diese Frage nachdenkt, kommt wohl zu dem Ergebnis, dass die Schützen heute nicht mehr unser Leben und Eigentum schützen. „Sie schützen unser kulturelles Erbe, unsere dörflichen Gemeinschaften und unsere Heimat. Denn, es sind immer Menschen, wie unsere Schützen, die aus Orten Heimat machen.“, erklärte Isabelle Weykmans während der Überreichung der Urkunde.

Schon lange werden historische Gebäude unter Denkmalschutz gestellt, da sie wichtige Zeugen unserer Vergangenheit sind und daher erhalten bleiben sollen. Dasselbe gilt auch für überlieferten Traditionen. Auch sie sind Bestandteil unserer kulturellen Identität.

Das kulturelle Erbe bildet das Kernstück der Identität der Bürger. Es definiert, wer wir sind und schafft ein Gefühl der Zugehörigkeit. Zum Kulturerbe gehören nicht nur archäologische Stätten, mittelalterliche Burgen und historische Gegenstände  – wir begegnen ihm auch im Handwerk, das wir erlernen, den Geschichten, die wir erzählen, dem Essen, das wir genießen und den Bräuchen, die wir begehen.

Das immaterielle Kulturerbe ist die Gesamtheit der gelebten Traditionen und wird von Generation zu Generation weitergegeben. Um diese noch heute gelebten Traditionen zu schützen, hat die UNESCO im Jahr 2003 die „Konvention zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes“ verabschiedet, der die Deutschsprachige Gemeinschaft im Jahr 2006 zugestimmt hat.

Das Schützenbrauchtum ist eine historisch gewachsene Tradition, die sich dennoch durch die Jahrhunderte hinweg stets den Anforderungen der Zeit angepasst hat und somit auch in unserer modernen Gesellschaft fest verankert ist. Über 2.000 aktive Schützen engagieren sich in Ostbelgien für ihre Mitmenschen. Es ist ein wichtiger Anker regionaler Identität und Kultur, entstanden aus den tiefsten Wurzeln unserer Werte.

„In einer Gesellschaft, in der sich viele Bindungen lockern, machen die Schützen ein Angebot zum Miteinander. Die in Schützenvereinen und Bruderschaften aktiven Frauen und Männer machen mit ihrem Bürgersinn, ihrer Heimatliebe und ihrem Gemeinschaftsgeist unsere Region reicher. Sie leisten einen unverzichtbaren Beitrag für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft – über alle Generationen hinweg.“, betonte die Ministerin.

„.Das Aufrechterhalten von Bräuchen über mehrere Jahrhunderte hinweg schweißt die Menschen zusammen und wirkt identitätsstiftend. Die Schützenvereine prägen das kulturelle Leben unserer Ortschaften und tragen zu einem Gefühl der Identität und Kontinuität in den Dörfern bei.“

Um diese gelebte Tradition zu schützen, steht das historische Schützenwesen Ostbelgiens im Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Diese Auszeichnung würdigt die Arbeit der Schützen, die für die Weitergabe der Kultur eintreten und dazu beitragen, dass die Tradition bewahrt und vor allem weitergegeben wird.

Das Ziel des Verbandes ist es, die Tradition nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Doch wie können Jugendliche für diese traditionsreiche Kultur, begeistert werden? Indem die Kinder damit aufwachsen, von klein auf mit den Eltern zu den Schießmeisterschaften und Veranstaltungen mitgenommen werden, doch dafür, muss die Tradition auch leben.