Die Zahl der Arbeitslosen sinkt seit vielen Monaten. Der Vergleich mit dem Vorjahr lässt keinen Zweifel daran: Es gibt 6% weniger Arbeitsuchende als noch im Februar letzten Jahres. Dieser Rückgang ist deutlich höher, als in der Wallonie. Dort ging die Zahl der Arbeitssuchenden im Vergleich zum Februar des Vorjahres um 2,1% zurück, in Flandern sank die Zahl um 8%.

Die genannte Zahl von 2.262 Arbeitsuchenden beinhaltet übrigens nicht nur jene Arbeitssuchende, die tatsächlich Arbeitslosengeld des LfA-ONEM erhalten. Auch andere Kategorien von Arbeitsuchenden werden mitgezählt, so zum Beispiel auch die in den ÖSHZ gemeldeten arbeitsuchenden Sozialhilfe-, bzw. Eingliederungseinkommensempfänger.

Die genannte Zahl der Arbeitsuchenden versteckt die Arbeitslosigkeit nicht. Wir möchten schließlich wissen, wie es um unseren Arbeitsmarkt steht, um die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Wie ist der belgienweite Rückgang der Arbeitslosigkeit zu begründen? Zum einen erklärt sich der positive Trend in allen Landesteilen ganz klar anhand der guten wirtschaftlichen Lage. Mit positiven Folgen für die Beschäftigung: in Belgien wurden seit 2008 bis 2017 (letzte verfügbare Zahlen) rund 271.152 Stellen geschaffen, davon 68% seit 2013[1].

Der „Hohe Rat für Arbeit“ hat die belgische Entwicklung analysiert und stellt beispielsweise fest, dass insbesondere die privatwirtschaftlichen Unternehmen der Motor für diese Entwicklung sind. Die Beschäftigung im öffentlichen Sektor wächst langsamer. Erfreulich zudem: rund 16% der neuen Beschäftigung wurde durch Arbeitsuchende besetzt.

Als weiteres positives Element wird der Taxshift bewertet. Durch ihn konnten die Kosten der Arbeit reduziert werden. Der „Hohe Rat für Arbeit“ empfiehlt, diese Strategie fortzusetzen.

Eine weitere wichtige Empfehlung resultiert aus dem Arbeitskräftemangel. Dieser bremst bereits die Schaffung von neuer Beschäftigung. Davon ausgehend, dass viel mehr Stellen hätten geschaffen werden können, wenn das Angebot an geeigneten Arbeitskräften bestanden hätte, rät der „Hohe Rat für Arbeit“ vor allem in die Aus- und Weiterbildung und in die Aktivierung von Arbeitsuchenden zu investieren.

Warum entwickelt sich die Arbeitslosenzahl in der Deutschsprachigen Gemeinschaft so positiv?

Mehr noch als die Anzahl der neu geschaffenen Stellen ist es vor allen Dingen die Grenzlage und die damit verbundene starke Nachfrage nach ostbelgischen Arbeitskräften, die im In- und Ausland beliebt sind, das ist kein Geheimnis.

Das gilt in besonderem Maße auch für unsere Jugendlichen, für deren Stärkung wir uns mit unserer Jugendpolitik prioritär einsetzen. Festzuhalten ist, dass wir die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit in ganz Belgien haben.

Die niedrigen Arbeitslosenzahlen und die Empfehlungen des „Hohen Rates für Arbeit“  bestätigen uns darin, insbesondere in zielgruppenspezifische Beschäftigungsförderung zu investieren, wie wir es mit der AktiF-Reform getan haben. Sie belegen auch die Notwendigkeit, weiter in die Qualifizierung und die individuelle Begleitung von Arbeitsuchenden zu investieren, so wie wir dies mit der Reform der Freistellung und den Prämien zur Qualifizierung für Arbeitssuchende getan haben.

Die aktuell veröffentlichte Beschäftigungsquote liegt bei rund 62%, die flämische Beschäftigungsquote liegt bei 67%. Die Wallonie vermeldet eine Beschäftigungsquote von 58%.

Wir wissen, dass unsere administrative Beschäftigungsquote nicht unserer niedrigen Arbeitslosigkeit entspricht. Warum ist das so? Das hat tatsächlich statistische Gründe.

Die Beschäftigungsquote ist ein einfacher Bruch, mit der Zahl der Beschäftigten im Zähler, und der Zahl aller Menschen im erwerbsfähigen Alter im Nenner.

Die Zahl der Beschäftigten umfasst alle Berufstätigen und Arbeitssuchenden zwischen 15 und 64 Jahren, ob Selbständige oder Angestellte, egal ob hierzulande oder im Ausland.

Die große Schwester der Beschäftigungsquote ist die Aktivitätsquote. Sie misst den Anteil der Menschen im erwerbsfähigen Alter, die sich überhaupt am Arbeitsmarkt beteiligen, sprich arbeiten oder zumindest Arbeit suchen.

Kernelement aller Quoten ist die Zahl der Berufstätigen. Doch genau diese Zahl ist in den aktuellen Berechnungen für die Deutschsprachige Gemeinschaft unterschätzt. Das führt somit auch zu unterschätzten Quoten.

Und warum ist die Zahl der Berufstätigen bei uns unterschätzt?

Hier kommen erneut die im Ausland beliebten ostbelgischen Arbeitnehmer ins Spiel…

Die Berechnung der Gesamtzahl aller Berufstätigen wird aktuell von einem flämischen Institut, dem „Steunpunt-Werk“, durchgeführt. Die dort verwendete Quelle für die Pendlerzahlen hat methodologische Schwächen. In der aktuellen Berechnung werden nämlich ca. 2700 Pendler nicht berücksichtigt.

Anhand der Zahlen für Luxemburg wird dies deutlich, deren offiziellen Zahlen recht präzise sind: Die offiziellen Zahlen des luxemburgischen IGSS sind für das Jahr 2016 zum Beispiel um 922 Menschen höher, als die aktuell im „Steunpunt-Werk“ verwendeten Zahlen.

Die Zahl der Auspendler nach Deutschland hingegen ist etwas schwieriger zu erfassen. Hier liegen uns keine vollständigen Stichtag-Daten vor. Wir verfügen jedoch einerseits über Angaben des Föderalen Öffentlichen Dienstes Finanzen und andererseits erstmals über Angaben der Bundesagentur für Arbeit.

In Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt und dem Ministerium konnten diese Angaben nun über einen Schlüssel neu berechnet werden.

Diese Berechnung spiegelt die Realität besser wider und zeigt auf, dass unsere Quoten identisch mit den zur Zeit auf belgischer Ebene besten flämischen Quoten sind.

 

Flandern DG
Arbeitslosenquote März 2019 6,24% 6,27% (-0.5% im Vergleich zur alten Berechnung, die die Pendler nicht richtig berücksichtigt)
Aktivitätsquote 2016 72,61 72,64%
Beschäftigungsquote 2016 67,21 67,17% (+5% im Vergleich zur alten Berechnung, die die Pendler nicht richtig  berücksichtigt)

 

Anhand der Angaben von den authentischen Quellen der Luxemburger und vor allem der deutschen Ämter und so auch vom Finanzministerium können wir endlich bessere und realistischere Angaben zu unserem Arbeitsmarkt machen.

Die hohe Beschäftigungsrate und die hohe Pendlerzahl belegen: der Fachkräftemangel ist eine enorme Herausforderung. Mit der Gründung des Fachkräftebündnisses und der damit einhergehenden Bündelung der Kräfte aller betroffenen ostbelgischen Akteure sind wir auf dem richtigen Weg: Wir müssen die hiesigen Arbeitgeber bei der Anwerbung von Fachkräften unterstützen und wir müssen für den Lebens- und Arbeitsort Ostbelgien werben, indem wir unter anderem:

  • Zuwanderer unterstützen und das Ankommen leichter machen;
  • Schüler und Studenten – Nachwuchskräfte – zielgruppenspezifisch ansprechen;
  • weiche Standortfaktoren vermarkten, offene Stellen kommunizieren und so auch Pendler und Abgewanderte informiert halten;
  • Jugendlichen die Karrieremöglichkeiten in Ostbelgien aufzeigen, durch Schnupperwochen, dem Schulprogramm „Wirtschaft macht Schule“ und der Verbesserung der Berufswahlorientierung;
  • und indem wir das Image der Lehre verbessern, unter anderem durch eine Imagekampagne.

Auf Basis der nun realitätskonformeren Zahlen im Bereich der Beschäftigungspolitik, sind wir jetzt in der Lage, unsere zielgruppenspezifische Beschäftigungsförderung (AktiF & AktiF+) ebenfalls besser evaluieren zu können.

Das ist von essenzieller Wichtigkeit für die zukünftige und weitere bedarfsorientierte Ausgestaltung der Beschäftigungspolitik in Ostbelgien.

Ab April 2019 wird die neue Berechnung der Arbeitslosenquote durch das ADG in den monatlichen  Statistiken der Arbeitslosigkeit der Deutschsprachigen Gemeinschaft verwendet werden.