Amateurfunk – Kommunikation ohne Grenzen

Bereits am 13. April 2017 hat die Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft entschieden, die Morsezeichen und Morsetelegraphie in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der Deutschsprachigen Gemeinschaft aufzunehmen. Gestern fand die symbolhafte Überreichung der Auszeichnung an Vertreter der  Radioamateure der Belgischen Ostkantone (RBO) statt. Eine Anerkennung und Würdigung ihrer Arbeit zum Erhalt dieser Tradition.

Schon lange werden historische Gebäude unter Denkmalschutz gestellt, da sie wichtige Zeugen unserer Vergangenheit sind und daher erhalten bleiben sollen. Dasselbe gilt auch für überlieferte Traditionen. Auch sie sind Bestandteil unserer kulturellen Identität. Das immaterielle Kulturerbe ist die Gesamtheit der gelebten Traditionen und vermittelt ein Gefühl von Kontinuität und Identität, da es von Generation zu Generation weitergegeben wird. Um diese noch heute gelebten Traditionen zu schützen, hat die UNESCO im Jahr 2003 die „Konvention zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes“ verabschiedet, der die Deutschsprachige Gemeinschaft im Jahr 2006 zugestimmt hat.

Die Morsetelegraphie hat die Übertragung von Nachrichten über große Entfernungen möglich gemacht und eine gemeinsame Sprache geschaffen, die die Welt im 19. Jahrhundert ein großes Stück näher zusammengerückt hat. Für etwa siebzig Jahre war Telekommunikation nur durch die Übertragungsform mit Morsezeichen möglich, für die spezielle Kenntnisse und Fertigkeiten von Nöten sind. Durch das digitale Zeitalter wurde diese Kommunikationsform langsam aus dem alltäglichen Leben verdrängt. Um diese weltweite Tradition zu schützen, die durch den Verein der Radioamateure der Belgischen Ostkantone auch in Ostbelgien gelebt wird, steht die Morsetelegraphie und die Morsezeichen im Verzeichnis der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Diese Auszeichnung würdigt die Arbeit der Amateurfunker Ostbelgiens, die für die Weitergabe der Morse-Kunst eintreten und dazu beitragen, dass die Tradition, die Technik und das Fachwissen bewahrt und vor allem weitergegeben werden.

Zu diesem Anlass überreichte die zuständige Ministerin am 25. Oktober 2017 die Urkunde zur Aufnahme der Morsezeichen und Morsetelegraphie in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der Deutschsprachigen Gemeinschaft an die Amateurfunker der Radioamateure der Belgischen Ostkantone. „Trotz der vielen Alternativen wird auch heute noch gemorst“, bestätigt Stefan Dombrowski, Vertreter der ostbelgischen Amateurfunker bei der Union der belgischen Funk-Amateure (UBA), die alle belgischen Amateurfunker vertritt. Morsen ist somit noch aktuell, universell und technisch gesehen einfach! Denn Amateurfunk ist Kommunikation ohne Grenzen. „Wenn jegliche Kommunikation zusammenbricht, wenn Telefon und Handy nebst Internet schon lange aufgehört haben zu funktionieren, können die Amateurfunker immer noch Verbindungen aufbauen.“ Funkamateure befassen sich mit dem Bau von Sendern, Empfängern, Antennen und Messgeräten und mit dem Betrieb dieser Funkanlagen. Die sind es, die bei Umweltkatastrophen, Kriegen und anderen Situationen helfen, Verbindungen in die ganze Welt zu schaffen.

Das Ziel des Vereins ist es, die Sprache nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Doch wie können Jugendliche für diese traditionsreiche Kommunikationsform und darüber hinaus für die Technik, die dahinter steckt, begeistert werden? „Die Jugend ist die Zukunft. Wir hoffen, Jugendliche durch Kurse und  Wettbewerbe für den Amateurfunk zu begeistern. Dazu gehören ebenso Besuche oder Aktivitäten in Schulen.“, so Stefan Dombrowski. Für September/Oktober 2018 planen die Morser einen Kontakt über Amateurfunkwellen zur ISS. „Schüler der Bischöflichen Schule St. Vith können so direkt Fragen an den Astronauten Alexander Gerst stellen.“ Von der Schule direkt ins All.

Derzeit wurden die Unterlagen zur Anerkennung der Morsezeichen und Morsetelegraphie als immaterielles Kulturerbe bei der Französischen Gemeinschaft eingereicht, die den Antrag zurzeit prüft. Die Flämische Gemeinschaft hat die Morsezeichen und Morsetelegraphie bereits in ihr Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.