Die Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft hat am 13. April 2017 die belgische Frittenbudenkultur in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der Deutschsprachigen Gemeinschaft aufgenommen.

Das immaterielle Kulturerbe wird von einer Generation an die nächste weitergegeben und vermittelt ein Gefühl von Identität und Kontinuität – es ist die Gesamtheit der gelebten Traditionen. Um diese noch heute gelebten Traditionen zu schützen, hat die UNESCO im Jahr 2003 die „Konvention zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes“ verabschiedet, der die Deutschsprachige Gemeinschaft im Jahr 2006 zugestimmt hat.

Neben Schokolade und Bier ist Belgien weltweit für seine Fritten bekannt. Die Herstellung der Fritten setzt handwerkliche Kenntnisse voraus, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Die Frittenbuden sind Ort der Begegnung, sozialer Treffpunkt und gehören zu jedem Familien-, Dorf- und Stadtfest immer dazu. Die Frittenbudenkultur ist tief verwurzelt mit unserem täglichen Leben, zählt zu unserem gemeinsamen belgischen immateriellen Kulturerbe und steht deshalb auch im Verzeichnis der Deutschsprachigen Gemeinschaft.

Zu diesem Anlass überreichte Isabelle Weykmans am 6. Juli 2017 eine Urkunde zur Aufnahme der Frittenbudenkultur in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der Deutschsprachigen Gemeinschaft an den Präsidenten der Navefri – Unafri, Herrn Bernard Lefèvre, in Eupen. Die Nationale Vereinigung der Fritürenbetreiber Navefri-Unafri, die 1984 zur Förderung der spezifischen Interessen des Frittensektors gegründet wurde, hat bereits viele Initiativen zum Erhalt und zur Weitergabe der belgischen Frittenbudenkultur angeregt und umgesetzt, wie beispielsweise die „Woche der Fritten“.

Neben der Urkunden-Überreichung wurde Georges Pinckers in den Nationalen Orden des „Cornet D’or“ – den Nationalen Orden der Goldenen Papierspitztüte -aufgenommen, der all diejenigen ehren will, die ihr Wissen, ihr Talent, ihr Engagement und ihren Idealismus in den Dienst der belgischen Frittenkultur gestellt haben bzw. immer noch stellen. Herr Pinckers und seine Frau Annie betreiben schon mehr als 25 Jahre eine mobile Frittenbude. Mit dieser durchkreuzen sie ganz Ostbelgien – es gibt wohl keinen Dorfplatz, auf dem sie noch nicht gestanden haben. Isabelle Weykmans hatte die Ehre Herrn Pinckers mit der entsprechenden Medaille des Silbernen Kreuzes auszeichnen zu können und bedankte sich für die Bemühungen zum Erhalt des immateriellen Kulturerbes in Ostbelgien.

Ebenso wie die Deutschsprachige Gemeinschaft hat die Flämische und Französischsprachige Gemeinschaft sowie die Region Brüssel-Hauptstadt die Frittenbudenkultur als immaterielles Kulturerbe anerkannt. Damit ist die Grundlage für die Einreichung eines Antrages bei der UNESCO, um in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen zu werden, geschaffen worden.