Der Europäische Dorferneuerungspreis 2020, der unter dem Motto „Lokale Antworten auf globale Herausforderungen“ organisiert wurde, ist an die Gemeinde-Allianz Hofheimer Land e.V. Bayern vergeben worden. Der ostbelgische Teilnehmer Montenau-Iveldingen wurde mit dem „Europäischen Dorferneuerungspreis in Bronze“ für einzelne oder mehrere besonders überzeugende Dorfentwicklungsprojekte ausgezeichnet. 26 Dörfer aus ganz Europa hatten sich mit nachhaltigen und innovativen Ideen zur Stärkung ihres ländlichen Lebensraumes beworben.

Der Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2020 ist – nach etlichen durch die Pandemie bedingten Verschiebungen – entschieden: Eine interdisziplinäre, internationale Jury hat dieser Tage nach einer um¬fassenden Begutachtung vor Ort bei der abschließenden Bewertungs¬sitzung in München die Gemeinde-Allianz Hofheimer Land e.V., Bayern, Deutschland, zum Sieger gekürt. Der Europäische Dorferneuerungspreis wird von der Europäischen ARGE Landesentwicklung und Dorferneuerung vergeben, einer Vereinigung von Experten, Wissenschaftlern und Politikern mit Unterstützung der Europäischen Kommission. 19 europäische Mitgliedsländer- und -regionen nehmen daran teil, so auch Ostbelgien.

Montenau-Iveldingen in der Gemeinde Amel, hatte sich mit diversen Projekten am Wettbewerb beteiligt. Wie in der Beurteilung der Juryentscheidung formuliert „bezeichnet sich (Montenau-Iveldingen) durch einen mit professioneller Beratung auf den Weg gebrachten, auf einem klaren Leitbild fußenden und durch eine ausgesprochen aktive und ehrenamtlich engagierte Bevölkerung getragenen Entwicklungsprozess aus.“

Die von der Jury gewürdigten Projekte seien im Bereich des Umwelt- und Naturschutzes und hätten auch pädagogische Aspekte miteinbezogen.  Damit hätten sie durch die Steigerung des natur- wie auch kulturlandschaftlichen Wertes neue Chancen im Bereich des Wander- und Radtourismus eröffnen können, so die Jurymitteilung weiter.

Hier ist das KNEP-Projekt am Ravel zu nennen.  Herausstechend sind auch die sozialen Aktivitäten.  Mit dem „Heinzeltelefon“, über das ältere Menschen Hilfestellungen bei kleinen alltäglichen Tätigkeiten finden können und mit gemeinsamen Spieleabenden und Marktbesuchen findet Austausch und Verbindung statt. Die gute Versorgungsinfrastruktur und zeitgemäße Kommunikationstools tun schließlich das ihrige, um die Lebensqualität in „Montingen“, wie die BewohnerInnen ihr Doppeldorf nennen, auf hohem Niveau zu halten.

Zufrieden mit dem Ergebnis zeigt sich demnach auch Roger Kohnen, der Präsident der Dorfgruppe Montingen VoG.: „Ziel der Teilnahme am Dorferneuerungspreis war für die Dorfgemeinschaft nie der Gewinn der Veranstaltung. Es war für uns die Gelegenheit eine Dorfgruppe aufzubauen, deren Wunsch die Verbesserung der Lebensqualität für jetzige und zukünftige Generationen ist. Dafür war dieser Wettbewerb die ideale Plattform. Er ermöglicht den Austausch von Dörfern regional, wie auch international, um so das eigene Dorfleben zu bereichern. Und wir bereuen diesen Schritt nicht.“, und fügt hinzu: „Leider konnte, durch die aktuelle Pandemie, das Potential dieser Veranstaltung nie ganz ausgeschöpft werden, da, aus bekannten Gründen, der Austausch nicht so möglich war. Trotzdem sind wir mit dem erreichten zufrieden und freuen uns sehr über den Gewinn des Dorferneuerungspreises in Bronze.“

Die Dorfgruppe Montenau möchte mit den Projekten weitermachen und die Aktionen im Dorf wiederbeleben. Die Treffen der Generationen sollen mit der Hecken- und Baumpflanzaktion beginnen, wofür die Dorfbevölkerung herzlich eingeladen wird. Das Heinzelmännchen Projekt soll auf breitere Beine gestellt werden und daneben werden der Singkreis an Weihnachten, die Gartenfreunde, der Dorfchronist und einige andere kleinere Projekte für die Nach-Corona Zeit noch mal neu aufgelegt.

Das Mitwirken der Dorfgruppen in der Entwicklung von neuen Ideen zur Verbesserung ihres Lebensraumes ist auch für die zuständige Ministerin Isabelle Weykmans von immenser Bedeutung: „Der Bottom-Up Ansatz in der Regionalentwicklung entsteht aus der Gewissheit, dass Menschen ihren Lebensraum am besten kennen, ihre Bedürfnisse am besten definieren können und letztendlich elementar an der Nachhaltigkeit ihrer Entscheidungen und Projekte interessiert sind.“, ist Isabelle Weykmans überzeugt und betont: „Wir müssen unsere Dörfer und Dorfgruppen befähigen und unterstützen, damit sie Ideen und Projekte in ihrem unmittelbaren Wirkungskreis anregen, mittragen und umsetzen können. Deswegen hat das Montinger Engagement Vorbildcharakter für ganz Ostbelgien und ich gratuliere den Bürgerinnen und Bürgern zur europäischen Würdigung ihres Einsatzes.“

Begleitet wurde Montenau-Iveldingen von den Ländlichen Gilden, die sich seit nunmehr zwei Jahrzehnten eingehend mit der ostbelgischen Dorfentwicklung befassen. Sie unterstützen Dorfgruppen durch Moderation, Weiterbildungen, Workshops u.vm. Dieses Beratungs- und Begleitangebot ist damit auch die wichtigste angebotene Leistung. Denn das Ziel der Ländlichen Gilden ist es, der Entwicklung von Dörfern, Weilern und Stadtvierteln immer wieder neues Leben einzuhauchen. So freuen sich die Ländlichen Gilden, dass die Projekte bei der Jury Anklang gefunden haben und das Dorf weiterhin aktiv und voller Tatendrang ist.

„Demokratie bedeutet auch, im Kleinen Dinge anzupacken.“, meint in diesem Sinne auch der Koordinator der Ländlichen Gilden, Christian Recker und ruft alle Bürger dazu auf, dass sie die Zukunft in die eigenen Hände nehmen und durch kleine, praktische Projekte ihr Umfeld mitgestalten.

Die Preisverleihung, die den Höhepunkt einer mehrtägigen Veranstaltung mit Dorfbegehungen, Ausstellungen und kulturellen Begegnungen bildet und, so die Pandemie es zulässt, ein großes europäisches Fest sein wird, findet im Mai 2022 in der Siegergemeinde des vergangenen Wettbewerbes, nämlich in der oberösterreichischen Gemeinde Hinterstoder, statt.